Knapp 2000 Handballfans kamen in die Sporthalle „Am Hallo“ und sahen ein hart umkämpftes, aber faires Spiel zwischen zwei leidenschaftlichen Mannschaften. Entschieden wurde die Partie aber durch einen vermeintlichen Formfehler. Zwei Sekunden vor dem Ende wirft Dresdens Doruk Pehlivan an den Pfosten – und die Sirene ertönt. Die Essener jubelten über den Punkt und die Gäste gingen auch davon aus, dass dies ihre letzte Chance war. Doch der Technische Delegierte machte sich mit einem lauten Pfiff bemerkbar und schritt ein. Nach minutenlangen Beratungen, in denen niemand auf den Tribünen wusste, worum es ging, entschied das Schiedsrichter-Duo auf gelbe Karte für Essens Trainer Kenji Hövels und Siebenmeter für Dresden. Louis Bensch verwandelte zum 32:33-Endstand.
Die Begründung: Nach dem Pfostentreffer prallte der Ball zurück ins Feld. In diesem Moment drückte die Essener Bank auf den Auszeit-Buzzer. Doch da der TUSEM nicht klar in Ballbesitz gewesen war, so die Offiziellen, durfte er keine Auszeit nehmen. Dies wurde somit als unsportlicher Eingriff gewertet, was eben einen Siebenmeter zur Folge hat. Doch diese Entscheidung hinterließ bei den Beteiligten und Zuschauern viel Raum für Interpretationen.
Zum Sportlichen. Die Essener zeigten eine kämpferische Leistung und hatten vor allem in der ersten Halbzeit mit Finn Knaack einen starken Rückhalt. Seine Paraden und die Zielstrebigkeit von Alex Schoss vor dem gegnerischen Tor sorgten dafür, dass der TUSEM nie abreißen ließ und sich das 15:15-Unentschieden zur Pause verdiente. Mit etwas weniger Ungenauigkeiten im Angriffsspiel wäre sogar eine Führung möglich gewesen.
Dies galt auch für den zweiten Durchgang, in dem sich beide Mannschaften weitestgehend auf Augenhöhe gegenüberstanden. Dresden konnte sich jedoch leicht absetzen, da an diesem Abend Doruk Pehlivan im Rückraum nicht für die Essener zu stoppen war. Seine Abschlüsse fanden immer wieder den Weg ins Tor und so konnten sich die Gäste zwischenzeitlich auf drei Tore absetzen (25:28, 47.).
Aber der TUSEM kämpfte um jeden Zentimeter. Mit jeder gelungenen Abwehraktion, jeder Parade und mit jedem Tor wurde die Stimmung in der Halle noch etwas besser. In der Schlussphase kochten die Emotionen und die Essener erkämpften sich tatsächlich das Unentschieden. Angetrieben von Valentin Willner und Felix Mart stand Sekunden vor dem Ende tatsächlich das Unentschieden auf der Anzeigetafel. Bis letztendlich doch noch der Siebenmeter für Dresden gepfiffen wurde.
TUSEM-Trainer Kenji Hövels war nach der Niederlage bedient: „Angeblich haben wir den Buzzer zu früh betätigt nach dem Pfostentreffer. Unserer Meinung nach hatten wir den Abpraller. Ob es tatsächlich so war, weiß ich ehrlicherweise nicht, weil ich es nicht genau gesehen habe. Trotz allem ist das ein unwürdiges Ende und für mich höchst fraglich, ob man das vom Kampfgericht so entscheiden muss. Es ist immer eine Interpretationsfrage, ob der Ball unter Kontrolle ist oder nicht. Da hat man schon Spielraum. Und wenn man sich das Spiel anschaut, ist das eben schon unwürdig so zu entscheiden. Da fehlt mir jegliches Verständnis. Trotz allem bin ich mega stolz auf die Mannschaft. Wir machen das wieder richtig gut und haben bewiesen, dass wir mit Rückschlägen gut umgehen können. Und mir tut es unheimlich leid, weil wir diesen Punkt verdient gehabt hätten.“
Für den TUSEM geht es am kommenden Freitag (1. Mai) mit einem Auswärtsspiel beim VfL Lübeck-Schwartau weiter. Anwurf in der Hansehalle ist um 19 Uhr.
TUSEM Essen – HC Elbflorenz Dresden 32:33 (15:15). TUSEM: Knaack, Plaue; Mart (9/6), Göttler (1), Willner (6), Wolfram, Homscheid (3), Reimer, Eißing (1), Wolf, Neuhaus (3), Kostuj, Hejny, Mast (2), Werschkull (1), Schoss (6). Dresden: Mallwitz, Cantegrel; Bensch (2/1), Wucherpfennig, Dierberg (4/2), Pehlivan (11), Preußner (4), Aktas (1), Pichiri, Greß (5), Stoyke, Dutschke, Thümmler, Löser (1), Seidler (5). Siebenmeter: 5/5 – 2/4. Strafminuten: 4 – 2. Schiedsrichter: Blümel/Vortmann (beide Berlin). Zuschauer: 1985. Foto: Dennis Ewert.
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