Keine einfache Aufgabe wartete auf den TUSEM beim Erstliga-Absteiger, der natürlich gern möglichst schnell den Weg zurück in das Oberhaus antreten möchte. In der ordentlich gefüllten Kampa-Halle zeigte sich der Gast aus dem Ruhrgebiet aber gut eingestellt und konzentriert. Die Abwehr packte gut zu, Torhüter Lukas Diedrich (Foto) konnte erste Paraden verzeichnen. Im Angriff lief es zudem auch sehr ordentlich, vor allem wenn Tempo im Spiel war. Dann ging es mal über die Außen, mal über den Kreis oder aus dem Rückraum. Der TUSEM zeigte sich flexibel und machte es seinem Gegner damit nicht leicht. So konnte er sich zwischenzeitlich sogar auf fünf Treffer absetzen und Minden zu einer Auszeit zwingen (10:15, 21.).
Allerdings sollte die Partie dann etwas ins Wanken geraten. Minden stellte um, verteidigte nun offensiver und fast schon in Manndeckung. Das stellte den TUSEM plötzlich vor eine Herausforderung, denn nun musste er umdenken. Das gelang nicht auf Anhieb, weshalb er vor allem im Angriff einige Probleme hatte. Und in der Abwehr war er nun auch anders gefordert, denn Minden spielte nun ein Sieben-gegen-Sechs – mit Erfolg. Über die Treffer von Morten Hempel Jensen oder auch Florian Kranzmann kam GWD nicht nur zum Anschluss, sondern auch zum Ausgleich (17:17, 30.).
Dies war zugleich der Halbzeitstand und es war klar, dass die Essener nach dem Seitenwechsel eine Idee haben müssen, um die Kurve zu bekommen. Danach sah es in den ersten Minuten jedoch nicht aus. Minden machte munter weiter und drohte davonzueilen. Beim Stand von 20:17 (34.) nahm Hövels eine Auszeit und fand deutliche Worte.
Mit mehr Mut und mit einem Sieben-gegen-Sechs im Angriff arbeitete sich der TUSEM zurück ins Spiel und auf Augenhöhe, weshalb es im zweiten Durchgang wieder richtig spannend wurde. Wann immer Minden traf, hatten die Essener eine Antwort parat. Zudem konnten Finn Knaack und Lukas Diedrich in der wichtigen Phase rund um die 50. Minute einige Abschlüsse parieren.
In einer umkämpften Schlussphase war klar, dass nun Kleinigkeiten entscheiden würden. Beide Teams gingen nochmal ein ordentliches Tempo und sorgten für Spektakel. So gelang dem TUSEM zum Beispiel ein Kempa-Treffer inklusive Doppelpass zwischen Felix Mart und Felix Eißing oder ein gefühlvoller Wurf durch die Beine des gegnerischen Torhüters von Tim Mast. Dramatisch wurde es in den Schlusssekunden. Nicholas Schley markierte zehn Minuten vor dem Ende das Ausgleichstor für den TUSEM zum 34:34, doch es blieben noch wenige Sekunden für Minden. Den letzten Wurf des Tages parierte Diedrich im Essener Tor und hielt somit den Punkt für seine Mannschaft fest.
„Es war total wild. Wir haben bewiesen, dass wir nicht tot waren, obwohl wir einige Tore gefressen haben. Wir antworten gut und lassen uns nicht abschlachten. Uns war klar, dass wir mutig spielen müssen, sonst haben wir keine Chance in Minden. Das hat in der ersten Halbzeit ein bisschen gefehlt, aber in der zweiten Halbzeit haben wir es gut umgesetzt, auch im Sieben-gegen-Sechs. Es ist fast schon ein bisschen ärgerlich, dass wir nicht sogar zwei Punkte geholt haben, freuen uns aber über den ersten Punkt der Saison“, sagte Felix Mart nach dem Spiel bei „Dyn“.
Trainer Kenji Hövels sah ebenfalls einen starken Auftritt seiner Mannschaft: „Die ersten 20 Minuten waren die besten, die ich beim TUSEM bis jetzt gesehen habe. Auf beiden Seiten haben wir überragend gespielt. Minden hat dann die Abwehr umgestellt und uns aus dem Rhythmus gebracht. Da hatten wir Probleme. Der Start in die zweite Halbzeit war dann katastrophal, aber mit der Umstellung auf das Sieben-gegen-Sechs war fast jede Entscheidung im Angriff richtig und wir hatten eine hohe Wurfeffektivität. Dementsprechend war der Punkt für uns völlig verdient. Wenn ich auf die letzten Spiele schaue, dann finde ich, dass wir momentan sehr guten Handball spielen. Aber es bleibt ein Prozess.“
Für den TUSEM steht nun wieder ein Heimspiel an. Am kommenden Freitag (11. September) geht es gegen den HC Elbflorenz Dresden, Anwurf in der Sporthalle „Am Hallo“ ist um 19 Uhr.
GWD Minden – TUSEM Essen 34:34 (17:17). Minden: Semisch, Ivanisevic; Pedersen (3), Kranzmann (3), Müller, Franz, Antanavicius (4), Jensen (7/1), Korte (3/3), Weber (4), Sterba, Metzner (2), Sajenev, Vorlicek (2), Staar (6), Weck. TUSEM: Knaack, Diedrich; Mart (5), Göttler (4), Willner (4), Zunic, Homscheid (4), Eißing (4), Schley (5), Wolf, Neuhaus (1), Kostuj (2), Hejny, Mast (4), Werschkull, Schoss (1). Siebenmeter: 4/5 - 4/7. Strafminuten: 8 – 6. Schiedsrichter: Friedel (Leipzig)/Herrmann (Zschorlau). Foto: Dennis Ewert.
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