Kenji Hövels, du bist jetzt seit gut einer Woche im Ruhrgebiet. Wie hast du dich hier mit deiner Familie in der Stadt eingelebt?
Bisher wirklich sehr gut. Das Umfeld macht es mir leicht, alle haben mich mit offenen Armen empfangen. Ich werde mit meiner Frau und meiner Tochter (fünf Monate alt, Anm. d. Red.) bald komplett nach Essen ziehen, aktuell sind das noch turbulente Tage für uns. Wir haben noch unsere Haustiere in Berlin und müssen dort noch ein paar Dinge erledigen. Daher pendelt meine Frau im Moment noch, ansonsten wohnen wir derzeit in einem Airbnb.
Am vergangenen Dienstag wurdest du als neuer Cheftrainer der Essener präsentiert. Was hast du gedacht, als dich der TUSEM das erste Mal kontaktiert hat? Immerhin ist der Klub immer noch ein rennommierter Name in Handball-Deutschland.
Ich habe die 2. Liga in dieser Saison intensiv verfolgt und war somit auch mit der Lage des TUSEM vertraut, auch, weil Felix Mart als mein alter Spieler hier spielt. Ich fand die Aufgabe gleich sehr interessant. Für mich passt hier beim Verein vieles perfekt, die Mannschaft ist jung und hat viel Entwicklungspotenzial. Hier kann ich meine Stärken gut einbringen. So habe ich mir meinen nächsten Schritt vorgestellt.
Hat dich die derzeitige Tabellensituation des TUSEM sehr beschäftigt? Immerhin war die Mannschaft bei deinem Amtsantritt Drittletzter und befand sich in einer sehr schwierigen Phase.
Mir war klar, dass der Zeitpunkt vielleicht nicht perfekt ist. Manchmal muss man aber auch die Chancen so nehmen, wie sie kommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Mannschaft deutlich mehr kann, als sie zuletzt gezeigt hat. Die Lust auf die Aufgabe war größer als irgendeine Befürchtung, zu scheitern.
Hattest du im Vorfeld deiner Entscheidung Kontakt zu Jaron Siewert oder Bob Hanning?
Bob hat mir einiges über den Verein erzählt, ich habe ihn auch ein Stück weit um Rat gefragt. Ich bin ja jetzt auch hier, von daher hat er wohl ein gutes Wort eingelegt (lacht).
Hat dich jemand als Trainer besonders geprägt oder hast du sogar ein Vorbild?
Ich konnte in Berlin von vielen guten Trainern lernen, u.a. Emir Kurtagic (VfL Potsdam, Anm. d. Red.), Jaron oder auch noch von Nicolaj Krickau (Füchse Berlin, Anm. d. Red.). Insbesondere von Bob konnte ich mir in puncto Mannschaftsführung einiges abschauen. Am Ende muss und möchte ich meinen eigenen Weg finden.
Du hast mit 26 Jahren deine Spielerkarriere beendet, was ein relativ frühes Alter ist. Ist dir da schon bewusst geworden, dass du Trainer werden möchtest?
Ja, das hatte ich schon immer im Hinterkopf. Meine Karriere als Spieler habe ich früh beendet, weil ich immer mal wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr an mein höchstes Level herankomme. Ich habe dann studiert und konnte parallel bei den Füchsen reinschnuppern. Daraufhin habe ich relativ schnell die Trainerlizenzen gemacht. Ich durfte dann früh als Trainer Verantwortung zu übernehmen, das hat mich weitergebracht.
Wie sieht der Handball aus, den deine Mannschaft spielen soll? Was sind deine zwei, drei wichtigsten Prinzipien?
Vor allem möchte ich eine Mannschaft sehen, die hungrig ist. Das Tempospiel ist mir wichtig, dazu eine hohe Effektivität im Angriff, wir sollen uns viele gute Chancen erarbeiten. Heutzutage geht vieles über die Isolation, über die Würfe aus der Nahdistanz. Trotzdem werden wir auch mal ein leichtes Tor aus dem Rückraum brauchen. Mir ist einfach wichtig, dass wir unsere Situationen gut vorbereiten. Außerdem müssen wir es schaffen, die Außen wieder mehr ins Spiel zu bekommen. In der Abwehr möchte ich Kompaktheit sehen und mit der Zeit meiner Mannschaft auch mehrere Deckungsvarianten an die Hand geben.
Ein Spiel hast du mit deinen neuen Schützlingen schon absolviert. Was hast du in den ersten Tagen für einen Eindruck von der Mannschaft bekommen?
Einen sehr, sehr positiven. Die Jungs sind total willig und haben Bock, an der Situation was zu verändern. Dieses Mindset werden wir auch brauchen. Die Mannschaft hat es mir auch sehr leicht gemacht, hier anzukommen. Wir werden natürlich noch etwas Zeit brauchen, um zielgerichtet zusammenzuarbeiten.
Was machst du, wenn du nicht an der Seitenlinie stehst? Was sind deine Hobbys abseits des Handballs?
Im Moment ist das Thema Halle und Handball schon sehr präsent. Zeit mit der Familie, mit meiner Frau und meiner Tochter, ist mir sehr wichtig. Wir gehen gerne spazieren zusammen oder auch mal auswärts essen. Wir sind da sehr entspannt. Wenn die Kleine dann mal schläft, wird auch mal Netflix geschaut.
Interview: Ole Linder
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