Im Vorfeld der Partie wurde gemutmaßt, wieviel Druck angesichts der Tabellensituation bereits auf den Spielern lasten würde und ob sich eine etwaige Verunsicherung hüben wie drüben zeigen würde. Die Antwort mal gleich vorab: Der TuSEM hatte in Hinblick auf den Negativlauf der letzten Spiele definitiv mit sich zu kämpfen, während die Gäste das Spiel über die nahezu volle Distanz souverän kontrollierten. Doch der Reihe nach.
Nach seinem Fehlen beim 25:32-Pokalaus gegen den VfL Potsdam kehrte Valentin Willner zurück ins Essener Aufgebot, Lukas Diedrich startete im Tor, die Offensive bildeten zunächst Mast, Göttler, Homscheid, Schoss, Eißing und eben jener Willner. Der Start gehörte indes den Gästen: Angetrieben von einem starken Henri Pabst stellte Lübbecke auf 1:4 (7. Minute). Was bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Partie auffiel: Der TuSEM tat sich im gebundenen Angriff unglaublich schwer und musste sich auf die Siebenmeter von Felix Mart verlassen, der bis zum 3:6 durch Willner beide Essener Tore vom Strich erzielte. Eine Besserung dieses Problems war derweil nicht zu erkennen, beim Stand von 3:7 nahm Kenji Hövels seine erste Auszeit, die allerdings auch nicht den gewünschten Effekt brachte. Die Gäste verwalteten ihren Vorsprung konsequent und arbeiteten in der Deckung weiterhin hervorragend. So blieb der Vorsprung von Nettelstedt permanent bei drei, vier oder fünf Toren. Mit einem 10:16 ging es in die Kabinen, fünf der zehn Essener Tore waren Siebenmeter.
Auch nach der Pause zeichnete sich ein ähnliches Bild ab. Auch eine roten Karte für Nettelstedts Niklas Gautzsch kurz vor der Halbzeit brachte den TuS nicht aus der Balance. Vor allem Tjorven Sturhahn war ein Aktivposten nach dem Seitenwechsel und hielt die Essener Hintermannschaft auf Trab. Der Ex-Hamburger Finn Wullenweber traf in Minute 44 zum 17:22, die Partie verlief bis dato praktisch seit Anpfiff recht ebenerdig. Doch plötzlich fing Lübbecke an zu straucheln, was die Essener sofort ausnutzten. Der TuS streute ein paar technische Fehler und Fehlwürfe zu viel ein, wodurch der TuSEM zu einigen leichten Toren kam, so erzielte unter anderem Torhüter Finn Knaack zwei Treffer. Auch die Zuschauer, die es mit den Essenern hielten, witterten Morgenluft und feuerten ihr Team lautstark an. Der Rückstand schmolz gleich zweimal auf lediglich ein Tor (23:24 bzw. 24:25), der TuSEM war drauf und dran, den Ausgleich zu erzielen. Doch so plötzlich die kleine Leistungsdelle der Gäste kam, so schnell verschwand sie auch wieder. Ein 0:3-Lauf brachte den TuS wieder mit vier Toren in Front, das kurze Essener Hoch war abgeebbt. Auch in den letzten fünf Minuten blieb Nettelstedt schließlich cool und brachte den verdienten 28:32-Auswärtssieg souverän ins Ziel.
Auf der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich TuS-Trainer Davor Dominikovic hochzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: „Wir wussten, gegen wen wir heute spielen und zwar gegen eine starke Mannschaft, der Tabellenplatz hat uns nicht interessiert. Wir waren heute von der ersten Sekunde an präsent, das habe ich in den letzten Spielen vermisst. Wir haben eine geschlossene Mannschaftsleistung gezeigt und sich auch cool geblieben, als der TuSEM auf einmal auf ein Tor dran war. Wir sind mega glücklich.“ Kenji Hövels, der ob seiner Spielerkarriere (von 2016-2019 bei TuS) gute Verbindungen in die Region hat, konnte dem Ergebnis naturgemäß wenig abgewinnen: „Lübbecke ist mit dem Druck, der auf beiden Mannschaften gelastet hat, einfach besser umgegangen als wir. Wir machen zu viele Fehler in der Anfangsphase und rennen dann diesem Rückstand hinterher. Wir glauben aber dran und kämpfen uns zurück, dafür mache ich meiner Mannschaft ein Kompliment. Wir können unser Momentum dann aber nicht finalisieren. Wir wissen, dass wir im Moment nicht die Ergebnisse holen, die wir und auch die Fans sich wünschen. Wir werden weiter arbeiten und gucken, wo wir uns verbessern können.“ Für den TuSEM steht nun das dritte Heimspiel in Folge an, am kommenden Freitag treffen die Essener bereits zum zweiten Mal in dieser jungen Spielzeit auf den Erstliga-Absteiger SC DhfK Leipzig. Anwurf ist um 19:30 Uhr.
TuSEM Essen – TuS Nettelstedt-Lübbecke 28:32 (10:16)
TuSEM Essen: Knaack (acht Paraden, 28 Prozent), Diedrich (drei Paraden, 23 Prozent) – Mart (8/8), Göttler (4), Willner (5), Faljic, Homscheid (1), Eißing (3), Schley, Wolf, Neuhaus (1), Kostuj, Hejny, Mast (3), Werschkull, Schoss (1)
TuS Nettelstedt-Lübbecke: Genz, Grabenstein (neun Paraden, 28 Prozent) – Santos (4), Hörr (4), Sturhahn (3), Schulze (3), Lundahl, Dräger (2), Wullenweber (2), Blaauw, Gautzsch (2), Pabst (6), Bergemann (3/2), Blazicko, Dederding (3), Eisele Siebenmeter: 8/8 – 2/3
Zeitstrafen: 1 – 8 (rote Karte gegen Niklas Gautzsch, 30. Minute)
Schiedsrichter: Konrad Gimmler (Magdeburg) und Jannik Rips (Stendal)
Zuschauer: 1588 in der Sporthalle „Am Hallo“
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