Mal wieder war ein Top-Team der Liqui Moly Handball-Bundesliga in Essen zu Gast, dieses Mal begrüßte die Mannschaft von der Margarethenhöhe die Füchse Berlin mit dem ehemaligen TUSEM-Trainer Jaron Siewert. Doch in den anstehenden 60 Minuten war keine Zeit dafür mit dem Aufstiegstrainer in Erinnerungen zu schwelgen oder sich gegenseitig etwas zu schenken. Stattdessen ging es zur Sache.
Essen begann gewohnt mutig und mit cleveren Angriffen. Die Berliner Defensive suchte noch nach dem richtigen Mittel, bekamen vor allem Tim Zechel am Kreis nur schwer in den Griff. Immer wieder war der TUSEM da mit flachen Pässen erfolgreich. Und wenn es mal nicht über den Kreis ging, dann war Rechtsaußen Felix Klingler zur Stelle und bescherte den Hausherren mit sehenswerten Treffern eine knappe Führung.
Aber Berlin stabilisierte sich und legte zu. Der Rückraum um Paul Drux und Fabian Wiede fand nun doch immer wieder Lücken in der Essener Deckung und konnte den Spielstand zugunsten der Hauptstädter drehen. In der Abwehr zwangen die Berliner ihre Gegner nun zu mehr Fehlern und ungenauen Abschlüssen. Zudem erwischte Dejan Milosavljev im Füchse-Tor einen guten Tag und vereitelte einige Tore. In dieser Phase lief für den TUSEM nicht viel zusammen, auch einige Schiedsrichter-Entscheidungen fielen aus Sicht der Gastgeber recht kleinlich aus. Doch das Hadern brachte nicht viel, die Fakten zur Halbzeitpause waren nicht zu ändern: Berlin führte mit einem Vier-Tore-Vorsprung.
In der zweiten Halbzeit musste die Mannschaft von Trainer Jamal Naji ohne ihren Kapitän Dennis Szczesny auskommen, der sich schon im ersten Durchgang an der Schulter verletzte und nicht mehr weiterspielen konnte. Doch der TUSEM hoffte weiter auf etwas Zählbares und stabilisierte sich wieder in der Abwehr. Auf der anderen Seite war es allerdings noch schwieriger ein Durchkommen zu finden. Berlin vernagelte sein Tor, was die Essener zu komplizierten Angriffen zwang. Diese blieben oft erfolglos, weshalb die Füchse auf 15:21 (45.) davonzogen.
Was wie eine Vorentscheidung schien, war noch längst keine. Denn die Gastgeber gaben nicht auf, sondern kämpften sich mit großer Leidenschaft heran. Emotional waren die Jungs von der Margarethenhöhe plötzlich wieder voll auf der Höhe und liefen einen schnellen Angriff nach dem nächsten. Meist war Klingler der Vollstrecker, zudem scheiterte Berlin immer wieder an der Essener Abwehr inklusive Torhüter Sebastian Bliß. Dann war es so weit: dank des Treffers von Noah Beyer gelang der Ausgleich zum 23:23! Nur noch zwei Minuten waren zu spielen, die Gäste wirkten nervös und schienen schlagbar. Wieder Fehlwurf Füchse, Gegenangriff TUSEM. Nur Milosavljev verhinderte mit seiner Parade, dass das Spiel komplett kippte. Stattdessen traf Paul Drux im Gegenzug an den Innenpfosten und ins Tor zum 23:24. Der letzte Spielzug des TUSEM blieb dann erfolglos, Berlin verteidigte ihn.
„Das ist bitter. Aber uns bleibt ja nichts anderes übrig als weiterzumachen. Wir haben Spieler, die dieses Jahr einen enorm guten Job machen, was ihre Führungsrolle angeht. Auch dadurch konnten wir uns nochmal herankämpfen. Darauf bin ich natürlich stolz. Leider gab es Phasen, in denen wir uns wieder zu viele Fehler erlaubt haben und auch die Chancenauswertung war zum Teil nicht so gut. Aber von unserem Matchplan ist viel aufgegangen“, sagte TUSEM-Trainer Jamal Naji nach der Niederlage.
Und Kreisläufer Tim Zechel fügte an: „Im Endeffekt ist es wirklich schon sehr enttäuschend, zumal es nicht das erste Spiel ist, das wir so knapp verlieren. Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Manchmal fehlt uns einfach auch das Quäntchen Glück. Auf der anderen Seite trifft Paul Drux den Innenpfosten und das Tor. Das ist sehr ärgerlich. Aber ich bin unfassbar stolz auf viele Leute, wie sie sich in dieser Mannschaft in dieser Saison schon entwickelt haben. Wir sind nicht mehr weit davon entfernt die nächsten Punkte zu holen.“
Der TUSEM hat nun in der Liqui Moly Handball-Bundesliga eine kleine Pause und wird danach wieder auswärts gefordert. Am 17. März sind die Essener beim HC Erlangen gefordert (Anwurf 18 Uhr, Arena Nürnberger Versicherung).
TUSEM Essen – Füchse Berlin 23:24 (11:15) TUSEM: Bliß, Diedrich; Beyer (2), Rozman (2), Durmaz, Becher (1), Ignatow, Szczesny (1), Müller (2), Firnhaber (1), Seidel, Morante, Klingler (9/4), Kluth, Ingenpaß, Zechel (5). Berlin: Genz, Milosavljev; Ernst, Wiede (3), Holm, Gojun, Andersson (3), Lindberg (4/4), Michalczik (1), Chrintz (4), Matthes (3), Kopljar, Vujovic (1), Koch (2), Marsenic (1), Drux (2). Siebenmeter: 4/6 – 4/4. Strafminuten: 8 – 8. Schiedsrichter: Kern (Bellheim)/ Kuschel (Karlsruhe).
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