Als Felix Mart in der 59. Minute den Siebenmeter zum zwischenzeitlichen 40:30 verwandelte, ahnte er höchstwahrscheinlich nicht, dass ihm – gemeinsam mit seinen Teamkollegen – Historisches gelungen war. Noch nie in ihrer langen, glorreichen Zweit- und Erstligageschichte haben die Essener 40 Tore geworfen. Nur in der Saison 2005/2006, also direkt nach EHF-Pokalsieg und Zwangsabstieg, gelang dieses Kunststück. Der TUSEM spielte damals allerdings in der drittklassigen Regionalliga und dominierte diese nach Belieben. Gegen den Soester TV erzielten die Essener im Dezember 2005 46 Tore, bis heute unangefochtener Rekord der TUSEM-Historie. Die zweitmeisten Tore der Geschichte erzielten die Essener damals gegen den TuS Niederpleis, beim 44:22 traf Mark Schmetz übrigens gleich 17 Mal. Gut 20 Jahre später ist der Niederländer Trainer der HSG Krefeld Niederrhein und hatte am Mittwochabend mit seiner Mannschaft dem Essener Angriffswirbel nicht sonderlich viel entgegenzusetzen. Die Deutlichkeit des Ergebnis überraschte, reiste die HSG nach dem 35:31-Überraschungssieg gegen Hüttenberg doch mit viel Rückenwind nach Essen. Doch der TUSEM spielte ein sehr konzentriertes, sehr souveränes Derby und lag bereits nach 49 Minuten mit neun Toren in Front. Müßig zu erwähnen, dass Trainer Kenji Hövels vollumfänglich zufrieden mit der Leistung seiner Schützlinge war: „Wir haben in allen Spielbereichen eine sehr gute Leistung gezeigt. Defensiv war das schon richtig gut, egal ob von Valentin Willner und Tom Wolf im Innenblock, Felix Eißing auf Halb oder selbst Oskar Kostuj auf Außen. Die 40 Tore kommen zustande durch unser sehr gutes Tempospiel, wir hatten in unseren Angriffen durchweg eine hohe Effektivität. Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung." Über die ganze Spielzeit betrachtet war es sicherlich das beste Essener Saisonspiel, zusammen mit dem 36:20-Sieg gegen Oppenweiler/Backnang am dritten Spieltag. In der Tabelle klettern die Essener auf Platz 15, haben im sportlich wichtigen Februar jetzt drei Spiele gewonnen. Auch Kenji Hövels kann bislang auf eine sehr starke persönliche Bilanz zurückblicken: Seit seinem Amtsantritt Anfang Dezember holten die Essener in sieben Spielen starke vier Siege und ein Unentschieden, die Punkte aus dem Hüttenberg-Spiel – wir berichteten – (noch) nicht mit einberechnet.
Dormagen hatte keine englische Woche – Letzter Essener Auswärtssieg war vor acht Jahren
Eine letzte Hürde muss der TUSEM in diesem pickepackevollen Monat noch bewältigen, am Samstag wartet direkt das nächste Derby in Dormagen. Die Gastgeber hatten unter der Woche spielfrei, das Kellerduell bei den Eulen Ludwigshafen wurde verlegt und findet erst am 4. März statt. Durch den Sieg gegen Krefeld hat Essen die Rheinländer in der Tabelle vorerst überholt. Im Hinspiel feierte der TSV in Essen beim 38:40 seinen ersten Saisonsieg, seitdem kamen vier weitere Erfolge hinzu, unter anderem ein 30:29-Heimsieg gegen Aufstiegsaspirant Balingen-Weilstetten. Zuletzt knöpfte die Mannschaft von Trainer Julian Bauer der HSG Nordhorn-Lingen einen Punkt ab (33:33). Dormagen war in den letzten Jahren derweil kein gutes Pflaster für den TuSEM, der letzte Auswärtssieg datiert vom 5. Oktober 2018, damals bejubelten die Essener einen hauchzarten 35:34-Erfolg. Die Historie listet 50 Spiele zwischen beiden Teams auf, davon 28 in der Handball-Bundesliga. Die Gesamtbilanz spricht dabei für den TUSEM (28 Siege). Cheftrainer Kenji Hövels peilt mit seiner Mannschaft den zweiten Derbysieg an, weiß aber, dass die Aufgabe keine leichte wird: "Ich denke, es ist schon ein kleiner Vorteil für Dormagen, dass sie unter der Woche nicht spielen mussten. wir haben in den vergangenen Spielen viel investiert und das war auch nötig, weil wir tabellarisch wichtige Duelle hatten. Die Jungs können sich jetzt einen Tag erholen und sich pflegen, ab Freitag gilt der Fokus dann dem Spiel. Wir werden das Spiel angehen, mit allem, was wir haben und wollen am Ende die zwei Punkte holen." Der TUSEM freut sich über jeden Fan, der die Jungs vor Ort im TSV-Bayer-Sportcenter unterstützt. Tickets für die Partie gibt es unter https://tickets.handball-dormagen.de/shop/256. DYN überträgt die Partie ab 17:40 live und on demand.
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